Jean Genet wird am 19. Dezember 1910 als uneheliches Kind in Paris geboren. Von der Mutter ausgesetzt, wächst er bis zum 13. Lebensjahr bei Pflegeeltern auf. Mit dem Ende der Pflegschaft beginnt die Odyssee Genets durch die verschiedenen Institutionen der öffentlichen Fürsorge, aus denen er immer wieder davonläuft, bis er schließlich in der berüchtigten Besserungsanstalt Mettray landet. Um von dort wegzukommen, verpflichtet er sich zum Militärdienst und verbringt einige Jahre als Soldat im Libanon, in Syrien und in Marokko, bevor er nach weiteren Fahrten quer durch Europa nach Paris zurückkehrt. Nun schlägt er sich als Landstreicher und Bouquinist durch. Er begeht immer wieder kleinere Diebstähle und wird mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt, wegen deren Summierung ihm 1948 lebenslange Sicherheitsverwahrung droht. Cocteau, Sartre, Picasso, Claudel – fast die gesamte intellektuelle Elite Frankreichs setzt sich für seine Begnadigung ein.
Im Gefängnis hatte Jean Genet zu schreiben begonnen. Am Anfang seines Werkes steht das Gedicht Le Condamné á mort (1942) und der Roman Notre-Dame-des-Fleurs (1943). Weitere Prosawerke, in denen eine Welt homosexueller Außenseiter glorifiziert wird, folgen kurze Zeit später. Genets Sprache ist zugleich brutal, provozierend und von großer lyrischer Schönheit.
Ende der 40er Jahre wendet sich Genet dem Theater zu. Die Bühnenwerke Haute surveillance, Les Bonnes, Le Balcon, Les Négres und Les Paravents, Genets scharfer Kommentar zum Algerienkrieg, machen ihn um 1960 weltberühmt und gehören heute zu den Klassikern des zeitgenössischen Bühnen-repertoires.
1983 wird Jean Genet, der in seiner zweiten Lebenshälfte vor allem politische Essays verfasst und sich immer wieder für politisch-ethnische Minderheiten wie die Black Panthers und die Palästinenser einsetzt, mit dem Französischen Nationalpreis ausgezeichnet. Er stirbt am 15. April 1986 in Paris, kurz nach Vollendung seines letzten großen Prosawerkes Un captif amoureux, das posthum veröffentlicht wird.
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